NAF – DIE WERKSTATT


Arbeit- und Produktivität (2018/2019)
Labor
 
Edition #5
Edition #4
Edition #3
Edition #2
Edition #1

 
 

Nana Hülsewig und Fender Schrade (NAF) laden sie ein: zum Arbeiten. Möglichst alles soll veröffentlicht werden. Andere Künstler*innen kommen hinzu. Wo liegt die Grenze zwischen Arbeit und Leben? Gibt es eine spezifische Form der künstlerischen Arbeit und wie hängt die mit Notwendigkeit und Wille, Geld und Ruhm zu verdienen, zusammen? Und wenn man dazu berufen ist, etwas im kapitalistischen Sinne Wertloses zu produzieren – wer entscheidet dann: hop oder top? Mal gehen wir auf die Suche nach belastbaren Qualitätskriterien. Mal arbeiten wir an neuen Formen von Handwerklichkeit. Oder fragen auch einfach: Wieviel Prozent deiner Anträge sind eigentlich bewilligt worden? Möglichst viele verschiedene Ebenen der Kunstarbeit werden also ans Tageslicht befördert. Zum Beispiel der Abfall der eigenen Kunstproduktion. Verworfene Konzepte, vergessene Skizzen, gescheiterte Anträge. Oder auch notwendige Arbeitsschritte, für die im Produktionsalltag dann doch die Zeit fehlt – oder meinen Sie, man erfindet über Nacht, wie und wo ein 6 m langes Instrument mit 392 Tasten bespielt werden kann? Im Spannungsfeld zwischen praktischem Nutzen und Zweckfreiheit der Kunst wird in der Werkstatt ein Glas Wein getrunken und gemeinsam philosophiert.

 
 

Edition#1

Erwartungen und Absagen
13.10.2018, Theater Rampe, Stuttgart

 

Wer erwartet eigentlich etwas von einer geplanten künstlerischen Arbeit und wer kann dieser Erwartung Absagen erteilen? Ist die Antragsarbeit schon Teil der künstlerischen Arbeit oder nur ein notwendiges Übel des Gehorsams auf dem Weg zur Erfüllung dessen, das getan werden muss? Und bringt es eigentlich etwas, darüber zu diskutieren – oder sollten wir nicht lieber kollektiv ein Wellness-Center für antragsschreibende Künstler*innen errichten und dem Übel durch Genuss den Garaus machen? Ach übrigens: stellst du die Schreibzeit für den Antrag der potentiellen Fördergeber*in eigentlich in Rechnung? Im Spannungsfeld zwischen praktischem Nutzen und Zweckfreiheit der Kunst wird in der Werkstatt ein Glas Wein getrunken und gemeinsam philosophiert. Vielleicht steht uns für die Geldgespräche noch ein Gast mit Erfahrung zur Seite. Mal sehen, wie viel wir noch schaffen…..  
 

zu Gast: Ines Skirde (Stuttgart)
studierte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und der Hochschule für Gestaltung und Buchkunst Leipzig. 2012 war sie Mitorganisatorin des freien Projektraumes „Arbeitstitel“ in Stuttgart, seit 2016 ist Skirde Atelierstipendiatin des Landkreises Esslingen und war bis 2018 ein Teil der Gruppe CIS. Sie lebt und arbeitet in Stuttgart wäre aber gern in New York.

 
 
 

Edition#2

Musikwerkstatt
01.12.2018, Theater Rampe, Stuttgart

 

Instrumente lassen sich als Körper beschreiben. In ihrem Bau folgen sie bestimmten Normen – ein normierter Instrumentenkörper trägt einen Namen und bringt spezifische Spielkonventionen mit. Das de-formierte 6m-Piano von NAF bricht aus diesen Voreinstellungen aus. Es braucht zum Beispiel mehrere Menschen, um es wirklich zu spielen und steht so für eine gemeinsame, kollektive Arbeitsweise des Erforschens von Musik und „Miteinander seins“. Welche Bedeutung hat die Idee der Freundschaft für gute Musik? Das Zusammenwirken von gesellschaftlichem, musikalischem Handeln und dem Körper von Spieler*in und Instrument wollen Fender Schrade und der Dozent und Kulturagent Tom Heinzer aus Zürich nachgehen. Seine Arbeiten, öfters Zusammen-Arbeiten, sind ein permanentes Befragen des eigenen Tuns und der Beschaffenheit und Möglichkeit der Kunst an sich. Ein Großteil dieser Befragungen findet mittels aufgezeichneter Momente des Negativen, also ‚Nichtkunstmachens‘ statt. Nichtstun als Kreation? Interessiert uns! Mal sehen, wie man das zum Klingen bringen kann. Im Spannungsfeld zwischen praktischem Nutzen und Zweckfreiheit der Kunst wird in der Werkstatt ein Glas Wein getrunken und gemeinsam musiziert.
 

zu Gast: Tom Heinzer (Zürich)
Nach einem Studium der Bildenden Kunst und einem Master in Art Education arbeitet Tom Heinzer einerseits als bildender Künstler und ist andererseits als Dozent an der Zürcher Hochschule der Künste im Propädeutikum und als Kulturagent für den Kanton Zürich tätig.

 
 
 
Edition#3

Skizzen
15.12.2018, Theater Rampe, Stuttgart

 
Im letzten Werkstattabend des Jahres dreht sich alles rund um die Skizze. In so einem Künstler*innenleben häuft sich ja Einiges an Halbfertigem an. Verworfene Konzepte, vergessene Skizzen, gute und weniger gute Ideen. NAF nutzen die Werkstattwoche um die eigenen Kleinstarbeiten auf Festplatten, in Schubladen und den eigenen Köpfen wiederzufinden, zu sortieren und zu sagen: Hopp oder Topp! Sie beugen sich tief in den Mülleimer der Kunstproduktion. Nicht nur auf der Suche nach Schätzen, sondern einer radikalen Neubestimmung des Verhältnisses von Entwurf und Position. Dieser Abend verspricht: das Sehen von Ungesehenem (ein Best of der “Skizzen” von NAF). Das Hören von Unerhörtem (einen Vortrag zur Angst vor der Skizze der Künstlerin Barbara Breyer). Das Verschieben einer Grenze (gemeinsame Gedanken über das eigene Leben im Entwurf – warum sollen wir eigentlich jemals fertig werden?).
 
Zu Gast: Barbara Breyer
Nach einem Studium der Bildenden Kunst arbeitet Barbara Breyer von 1992 bis heute als freischaffende Künstlerin mit Schwerpunkt Fotografie.

 
 
 

Edition#4

The Sound of 392
03.05.2019, Theater Rampe, Stuttgart

 

In der letzten Musikwerkstatt wurde nach möglichen Inhalten und körperlichen Bezügen im und zum von NAF entwickelten 6m langen Keyboard gesucht. Ein Archiv des queeren Wissens zog in den Instrumentenkörper ein und in einer feinen performativen Rauminszenierung entstand eine Ästhetik der Freundschaft, die wesentlich auf dem Material der beteiligten Körper basierte. Nun will sich der Instrumentenerfinder gemeinsam mit dem musikalischen Gast Paul Schwarz aus Stuttgart der Klanglichkeit dieses Körpers widmen. Es geht hier nicht um Tasten oder Melodiefolgen, sondern um den Klang von Plastik, diversen Metallen und seltenen Erden. Was für einen Klang hat das Instrument, wenn nun der Strom durch all diese verbundenen Teile fließt? Und was hat dieser Klang mit uns und unseren Körpern zu tun? In einer gemeinsamen Arbeitswoche gehen NAF und Paul Schwarz diesen Fragen praktisch nach. Das Ergebnis dieser Woche soll ungewiss sein. Denn in der Ungewissheit kann etwas entstehen, was unsere Gewohnheiten überschreitet. Ohren auf also für das offene Ende!
 
zu Gast: Paul Schwarz (Stuttgart)
Der Musiker Paul Schwarz ist Stuttgarter und Autodidakt. Er spielt in mehreren Formationen, meistens Schlagzeug. Mit der erfolgreichen Postpunk-Band Human Abfall hat er mehrere Schallplatten veröffentlicht und ist in Europa auf Konzerttour.

 
 
 

Edition#5

Komponieren für 392 Tasten
20.12.2019, Theater Rampe, Stuttgart

 

Die Klangkünstlerin und DJ Ain Bailey kommt nun zu NAF in die Werkstatt. In einer intensiven Woche kurz vor Weihnachten werden sich NAF mit dem Gast aus London die Frage stellen, was und vielleicht auch wie man für 392 Tasten komponieren kann. Wie kann 392 – eigentlich ein Haufen voll Plastik – kulturell und sozial andocken? Das Bestreben, dem Kern der Dinge näherzukommen ist Ausgangspunkt für diese Begegnung. Dafür dringen NAF weiter ein in eine tiefergehende Kenntnis von Technologie und der wirklichen Welt, in der wir leben, aber auch deren menschlicher und spiritueller Belange. Zwei Musiker*innen die in ihrer künstlerischen Praxis nicht miteinander vertraut sind, treffen sich, lassen sich aufeinander ein, lernen sich kennen, um gemeinsam in kollektiver Arbeitsweise Kompositionen zu entwickeln. Wieviel künstlerischen Raum können wir miteinander teilen und gemeinsam mit dem Publikum erleben?
 

zu Gast: Ain Bailey (London, UK)
Ain Bailey ist Soundkünstlerin und DJ. Ihre Arbeitsweise beinhaltet die Erkundung klanglicher Autobiographien, Raumakustik, Performance und Kolloborationen mit Performer*innen und bildenden Künstler*innen. 2019 hatte sie eine Einzelausstellung in der „Cubitt Gallery“ London: „And We’ll Always Be A Disco In The Glow Of Love“
Aktuell leitet sie im Auftrag von Serpentine Projects Workshops mit LGBTI+, Geflüchteten und Asylsuchenden.

 

 
 
DIE WERKSTATT – ARBEIT UND PRODUKTIVITÄT

Von und mit Nana Hülsewig und Fender Schrade
 
Künstlerische Mitarbeit/Dramaturgie: Johanna-Yasirra Kluhs
Gäste: Ines Skride, Tom Heinzer, Barbara Beyer, Paul Schwarz, Ain Bailey

Fotographie: Regina Brocke
Produktionsleitung: Silinee Damsa-Ard
Licht: Hanno Schupp
 
 

Ein Produktion von NAF in Kooperation mit:
Theater Rampe Stuttgart
 

Gefördert durch:
Innovationsfonds Kunst aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg
Landeshauptstadt Stuttgart (Konzeptförderung)
 

Mit freundlicher Unterstützung:
Sammlung historischer Musikinstrumente Landesmuseum Baden-Württemberg